Gehörlosigkeit – Hilfe mit einem Cochlea-Implantat

In Deutschland gibt es zirka 80.000 Gehörlose. Sie können Töne nicht (absolute Taubheit) oder nur ganz leise (praktische Taubheit) wahrnehmen. Unterschieden wird ferner zwischen der angeborenen und der erworbenen Taubheit. Ist die Krankheit angeboren, so kann der Betroffene nur mit therapeutischer Hilfe die Sprache erlernen. Bei der erworbenen Gehörlosigkeit wird zwischen derjenigen, die vor und derjenigen die nach der Sprachentwicklung auftritt, unterschieden. Empirische Daten belegen, dass das siebte Lebensjahr eine Grenze ist, wird das Kind zuvor taub, so besteht die Wahrscheinlichkeit, dass es auch stumm wird, danach eher weniger.

Jährlich werden zirka 700 gehörlose Kinder in Deutschland geboren. Die Taubheit kann auf unterschiedliche Art und Weise entstehen, sie kann vererbt worden sein, vor (durch Infektionen wie Röteln oder Toxoplamose), während (z.B. Sauerstoffmangel) oder nach der Geburt (Mittelohrentzündungen, Infektionen wie Mumps, Masern) auftreten.

Bei Neugeborenen werden Hörtests durchgeführt. Wichtig ist das zeitige Erkennen der Gehörlosigkeit, weshalb das Kleinkind dahingehend beobachtet werden sollte, ob es auf akustische Reize reagiert. Darüber hinaus gibt es einige Tests, die der Arzt bei Verdacht im Kindesalter vornehmen kann wie eine Untersuchung des Hörnervs oder der Hörschnecke.

In der Therapie stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Bei Schwerhörigkeit findet zumeist ein Hörgerät Anwendung. Bei Gehörlosen kann ein so genanntes Cochlea-Implantat operativ eingesetzt werden. Hierbei wird der Schall über ein Mikrofon aufgenommen, nach innen weitergeleitet und dort codiert. Ein Sprachprozessor verarbeitet die Signale, die umgewandelt und ihrerseits weitergeleitet werden, schließlich erfolgt eine Stimulierung der Fasern des Hörnervs. Für das Einsetzen des Implantats müssen bestimmte anatomische und andere Voraussetzungen wie die Unversehrtheit des Hörnervs und das Vorhandensein der Hörschnecke gegeben sein. Ist das Kind älter als acht Jahre, kann die Operation nicht mehr vorgenommen werden. Nach dieser muss der Betroffene Hören und Sprechen neu erlernen.
Als weitere Möglichkeit kann ein Hirnstamm-Implantat zum Einsatz kommen, bei dem der erste Hörkern im Hirnstamm stimuliert wird. Dieses Implantat wird bei Kindern verwendet, die keinen intakten Hörnerv besitzen.